Katja Lindner

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Katja Lindner

Hallo, ich bin Katja — setz dich, zeig her. Ah, ich seh's schon: Runde 12.

Ich bin Katja Lindner: gelernte Einzelhandelskauffrau im Wollfachgeschäft, sechzehn Jahre lang die Frau in der Beratungsecke, Häklerin seit meinem siebten Lebensjahr — und die Stimme hinter der Häkelecke.

Der Name ist nicht ausgedacht. Er ist geerbt. In dem Augsburger Wollfachgeschäft, in dem ich sechzehn Jahre gearbeitet habe, gab es hinten eine Ecke: zwei Stühle, eine Lampe, ein Korb voller Nadeln — und mich. Die Kundinnen haben sie getauft, lange bevor irgendjemand darüber nachdachte: "Geh mal zur Katja in die Häkelecke, die weiß das." In dieser Ecke habe ich über die Jahre Zehntausende Fragen beantwortet, halbfertige Projekte gelesen wie Röntgenbilder, verlorene Anleitungen rekonstruiert und Ersatzgarne nach Lauflänge und Faserverhalten zusammengestellt. Als das Geschäft 2021 schloss — nach siebzig Jahren, wie so viele —, sagte eine Stammkundin den Satz, der diesen Blog gegründet hat: "Das Geschäft kann zumachen. Aber die Häkelecke darf nicht zumachen." Hat sie nicht. Die zwei Stühle und die Lampe stehen heute in meinem Arbeitszimmer. Ich habe sie beim Räumungsverkauf gekauft. Über den ideellen Wert wird nicht diskutiert.

Und jetzt die Geschichte, die ich am liebsten erzähle: Häkeln hat mir mein Papa beigebracht. Bernd, Fernfahrer, hat 1989 auf Rat eines Kollegen mit dem Häkeln angefangen, um mit dem Rauchen aufzuhören — "die Hände brauchen was zu tun." Dreißig Jahre lang hat er auf Autobahnraststätten in halb Europa gehäkelt: Topflappen, Decken und einen ganzen Zoo leicht grimmiger Amigurumi. Mit sieben hat er mich am Küchentisch unterrichtet, mit der Geduld eines Mannes, der es sich selbst schwer beibringen musste. Mein Papa, der Fernfahrer, hat mir das Häkeln beigebracht — und wehe, jemand grinst. (Er ist heute 68, häkelt immer noch und tritt einmal im Jahr hier als Gaststar auf. Die Kommentarspalte dreht dann regelmäßig durch.)

Beruflich bin ich den Weg gegangen, der zur Ecke führte: Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau im Wollfachgeschäft, dann sechzehn Jahre im Laden — Verkauf, später Einkauf (Garnsortimente, Nadeln, Zubehör), die letzten acht Jahre als stellvertretende Geschäftsführerin. Der Einkauf ist meine zweite Superkraft: Ich habe jahrelang Garne professionell in der Hand gehabt, verglichen und getestet — und gelernt, was auf der Banderole nicht steht. Dazu habe ich über zehn Jahre die Häkelkurse des Geschäfts gegeben, von den ersten Luftmaschen bis zu Reliefmustern. Den Kurs gebe ich bis heute, einmal im Monat an der Augsburger VHS. Die Ecke braucht Stühle, nicht nur Bildschirme.

Das verspreche ich dir hier:


Die Ecke urteilt nicht. Keine Frage ist zu einfach, kein Projekt zu verkorkst, kein Tempo zu langsam. Das war die erste Regel der Ecke im Laden, und sie gilt hier unverändert.
Jede Anleitung ist getestet. Mindestens zwei Testerinnen aus meiner Kursrunde häkeln jede Anleitung nach, bevor sie erscheint — namentlich erwähnt. Wo sie stolpern, schreibe ich um.
Garn-Urteile nur mit Protokoll. Maschenprobe, Waschtest, Reibetest und mein berüchtigter Balkontest (Sonnenlicht, Geländer, Wochen) — plus Preisrechnung pro Meter, die falsche Schnäppchen entlarvt. Mein Urteil heißt nie "gut" oder "schlecht", sondern immer: wofür geeignet. Discounter-Garn kann die richtige Antwort sein. Manchmal ist es die falsche. Ich sage dir ehrlich, wann was gilt.
Garn ersetzen ist Standardwissen. Jede Anleitung hat einen festen Abschnitt zum Garn-Austausch — Lauflängen-Rechnung, Faserverhalten, was sich ändert. Du sollst von keiner Marke abhängig sein, auch von meinen Empfehlungen nicht.
Mein wichtigster Satz, seit sechzehn Jahren: Die Banderole macht einen Vorschlag. Deine Maschenprobe sagt die Wahrheit.


Heute häkle, teste und fotografiere ich in unserer Wohnung im Augsburger Textilviertel — ich wohne da, wo Augsburg früher Garn gemacht hat, und finde das immer noch leise komisch. Mit dabei: mein Freund Stefan, Fahrradmechaniker mit starken Meinungen zur Ergonomie (alle meine Nadelgriffe wurden zwangsmodernisiert, ich beschwere mich nicht mehr), und Herr Wolle, ein großer, langsamer, grauer Kater, der als Kitten schlafend in einer Garnlieferung gefunden wurde und nie wieder gegangen ist. Er schläft bevorzugt in meinen Foto-Aufbauten. Qualitätskontrolle, sagt er.

Am ersten Sonntag im Monat gehe ich ins tim, unser Textilmuseum (offiziell: Inspiration; inoffiziell: ich liebe die Maschinen), auf Flohmärkten jage ich alte Häkelnadeln — meine Sammlung umfasst hundertzwanzig Jahre, und die meisten kann ich auf Sicht datieren — und jeden Januar läuft hier die Reste-Challenge, bei der wir gemeinsam aus Garnresten Neues entwerfen. Sonntagabends häkle ich mindestens zwei Reihen an meiner ewigen Ecken-Decke: begonnen 2021, aus den Restgarnen des Ladens. Die Decke, die aus dem Geschäft übrig blieb. Sie wird nie fertig, und das ist vermutlich der Sinn.

Ob du deine allerersten Luftmaschen vor dir hast, ein Garn ersetzen musst, an Reliefstäbchen verzweifelst oder einfach wissen willst, ob das Angebot im Prospekt wirklich eines ist: Setz dich. Zeig her. Dafür ist die Ecke da.

Und wenn's hakt: Du weißt jetzt, wo du mich findest.
Deine Katja

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