Setz dich, ich zeig dir was Schönes: eine Sonne und einen Mond, beide als Granny Square, beide aus derselben Grundtechnik gebaut und trotzdem völlig unterschiedlich in der Wirkung. Das eine Motiv arbeitet mit Strahlen, die aus der Mitte herauswachsen, das andere mit einer Mondsichel, die aus zwei Farben in einem einzigen Kreis entsteht. Ich hab beide für dich Schritt für Schritt fotografiert, in genau der Reihenfolge, in der sie bei mir am Küchentisch entstanden sind – Herr Wolle hat die Qualitätskontrolle wie immer verschlafen.
Das Material: vier Farben, ein Haken

Bevor auch nur eine Luftmasche fällt, sortiere ich immer erst die Wolle. Für dieses Motiv sind es vier Baumwollknäuel: Senfgelb für die Sonne, Kornblumenblau und Jeansblau für Tag und Nacht, dazu Weiß für die Wolken in den Ecken.
- Baumwollgarn, ca. 120 m/50g: ein Knäuel pro Farbe reicht für beide Quadrate locker
- Häkelnadel 3,5 mm: die Banderole schlägt oft 4 mm vor, ich häkle das Motiv bewusst fester für klare Konturen
- Sticknadelschere und Vernähnadel: die kleine Schere im Foto ist mein Flohmarktfund vom letzten Herbst
- Maschenmarkierer: vier Stück reichen, du brauchst sie an den Eckmaschen der Quadrate
Die Banderole macht einen Vorschlag. Deine Maschenprobe sagt die Wahrheit – bei einem Motiv mit so vielen Rundenwechseln lohnt sich ein kleines Probestück wirklich.
Der Start: Magischer Ring in Senfgelb

Alles beginnt mit einem Magischen Ring – auf dem Foto siehst du meine Hände genau in dem Moment, in dem die ersten festen Maschen die Mitte schließen. Ich lege den Faden zweimal um den Zeigefinger, häkle acht feste Maschen hinein und ziehe dann am kurzen Fadenende, bis sich die Öffnung zu einem winzigen Punkt verengt.
Warum nicht die klassische Luftmaschenkette mit Kettmasche zum Ring? Weil bei einem Sonnenmotiv jede Masche zählt. Der Magische Ring lässt sich bündig zuziehen, ohne das kleine Loch in der Mitte, das später wie ein Fehler aussieht. In meinem VHS-Kurs ist genau das oft der Moment, an dem bei den Teilnehmerinnen der Knoten platzt – im positiven Sinn.
Falls der Ring zu locker bleibt: Zieh am kurzen Fadenende, nicht am Arbeitsfaden, und häkle die erste Runde einen Tick fester als gewohnt.
Die Sonnenstrahlen entstehen

Aus dem Kreis werden Strahlen – zwölf spitze Zacken, jeder einzeln aus der Vorrunde herausgearbeitet.
- In jede zweite Masche der Grundrunde: ein Büschel aus hStb–Stb–Stb–hStb häkeln, das ergibt die spitze Form
- Dazwischen: eine feste Masche oder Kettmasche, damit die Strahlen sauber getrennt bleiben
- Rundum wiederholen, bis alle Strahlen stehen – bei mir waren es zwölf, je nach Maschenzahl der Grundrunde geht auch mehr oder weniger
Wenn deine Strahlen ungleich lang geraten, liegt's meistens daran, dass die Maschenzahl der Grundrunde nicht sauber durch die Strahlenzahl teilbar war. Einmal nachzählen hilft mehr, als nochmal von vorne zu beginnen.
Der Rahmen: aus rund wird eckig

Auf dem Foto hältst du die fertige Sonne fast schon wie ein kleines Schmuckstück in der Hand, während die ersten Stäbchen in Kornblumenblau um sie herumwachsen. Genau hier passiert der Übergangsmoment, den ich in meinen Kursen am liebsten erkläre: aus einem runden Motiv wird ein eckiges Granny Square.
Die vier Ecken entstehen durch 3 Stb, 2 Luftmaschen, 3 Stb in vier festgelegten Punkten der Sonnenkontur – dazwischen einfache Stäbchengruppen mit Luftmaschen-Bögen, offen und luftig, wie es sich für ein Granny Square gehört.
Der Trick beim Rund-zu-Eckig ist nicht die Ecke selbst, sondern die vier Punkte, an denen du sie ansetzt. Die legst du vorher fest, sonst wird das Quadrat schief.
Nach dieser ersten Rahmenrunde erkennst du schon die spätere Form – ein Quadrat mit gelber Sonne in der Mitte und offenen Lufträumen ringsum.
Wolken für die Ecken

Weiße Büschelmasche als Wolke
In die vier Ecklücken des blauen Rahmens setze ich jetzt weiße Büschelmaschen – auf dem Foto siehst du, wie sie sich wie kleine Wolkenfetzen in die Räume schmiegen, die die zweite blaue Runde offengelassen hat.
- Drei bis fünf unvollendete Stäbchen in dieselbe Ecklücke, zusammen abgemascht ergeben eine kompakte Büschelform
- Wiederholen in allen vier Ecken, dabei nicht zu straff ziehen, sonst zieht sich die Ecke zusammen und das Quadrat verzieht sich
- Fadenende großzügig lassen zum späteren Vernähen, weiße Fäden sieht man auf Blau gnadenlos
Für ein Baby-taugliches Ergebnis würde ich hier ausschließlich Baumwolle empfehlen – sie behält die Form der Wolken auch nach dem zehnten Waschgang.
Das zweite Quadrat: Start des Mondes

Die fertige Sonne liegt jetzt links im Bild, während rechts ein neuer Magischer Ring in Jeansblau entsteht – der Beginn des Mondquadrats. Zwei Blautöne, die auf der Banderole fast identisch wirken, ergeben nebeneinander gehäkelt einen erstaunlich klaren Kontrast: Kornblumenblau für den Rahmen, Jeansblau für die Mondscheibe selbst.
Achte hier auf die Färbepartie, wenn du mehr als ein Knäuel pro Farbe brauchst – gerade bei dunklen Blautönen fallen Partieunterschiede in Tageslicht-Fotos sofort auf, auch wenn sie im Laden kaum sichtbar waren.
Der Ring wird genauso geschlossen wie bei der Sonne, nur bleibt die erste Runde diesmal komplett in einer Farbe – die zweite Farbe kommt erst mit der Mondsichel dazu.
Die Mondsichel wächst

Jetzt wird's anspruchsvoll: Auf der blauen Scheibe entsteht eine gelbe Mondsichel, indem du in ausgewählten Maschen der Vorrunde die Farbe wechselst und einen c-förmigen Bogen aus festen Maschen und Stäbchen legst, während der Rest der Runde in Blau weiterläuft.
Das ist echte Flächenfarbarbeit im Kleinen: Du führst den nicht benutzten Faden locker mit, damit auf der Rückseite keine langen Spannfäden entstehen, und wechselst immer in der letzten Umschlagphase der Vormasche, damit der Farbübergang sauber sitzt.
Wenn die Sichel zu dick oder zu dünn wirkt: zähl nach, wie viele Maschen du in Gelb gearbeitet hast, meist braucht die Mondform ein Drittel bis knapp die Hälfte der Rundenmaschen, nicht mehr.
Zwei Quadrate, ein Himmel

Am Ende liegen sie nebeneinander im Fensterlicht – die Sonne in warmen Senfgelb-Tönen, der Mond in kühlem Blau, beide mit denselben weißen Wolkenecken gerahmt. Zusammen ergeben sie ein Paar, das sich wunderbar als Kissenvorderseite, als Beginn einer thematischen Decke oder einfach als zwei Deko-Motive für die Wand eignet.
Wenn du beide zu einer größeren Decke verbinden willst, häkle die letzte Rahmenrunde in derselben Farbe für alle Quadrate – dann lassen sie sich mit der Join-as-you-go-Methode direkt beim letzten Rundenschritt verbinden, ganz ohne separates Zusammennähen. Herr Wolle hat den fertigen Fotomoment übrigens komplett verschlafen, das nenne ich eine bestandene Qualitätskontrolle.

- Material
- Werkzeug

Das Wichtigste zum Schluss
Zwei kleine Himmelskörper, ein Nachmittag am Küchentisch, und am Ende ein Paar, das zusammengehört, ohne sich zu gleichen. Genau das mag ich an diesem Motiv am meisten. Und wenn's hakt: Du weißt, wo die Ecke ist. Deine Katja 🧶🪑
Häufige Fragen
Welche Garnstärke eignet sich für den Sonne und Mond Granny Square?
Ich arbeite mit Baumwollgarn, ca. 120 m/50g, an einer 3,5 mm Nadel. Das ergibt klare, gut sichtbare Strahlen und eine straffe Mondsichel. Mit dickerem Dochtgarn wirkt das Motiv gröber und die feinen Spitzen der Sonnenstrahlen gehen verloren.
Kann ich die beiden Quadrate zu einer Decke verbinden?
Ja, dafür häkle einfach mehr Sonnen- und Mondquadrate im Wechsel und verbinde sie über eine gemeinsame letzte Rahmenrunde, zum Beispiel mit der Join-as-you-go-Methode. Achte nur darauf, dass alle Quadrate dieselbe Maschenprobe und Kantenlänge haben.
Was tun, wenn die Sonnenstrahlen ungleichmäßig lang werden?
Meistens liegt es daran, dass die Maschenzahl der Grundrunde nicht ohne Rest durch die Anzahl der Strahlen teilbar war. Zähl die Grundrunde noch einmal nach, bevor du weiterhäkelst, das spart dir das komplette Auftrennen.







