In meinem VHS-Kurs in Augsburg brachte in den letzten Monaten fast jede zweite Teilnehmerin ein Handyfoto von Stitch mit und fragte nach der Anleitung – Zeit, die komplette Häkelanleitung als PDF sauber aufzuschreiben. Getestet hat sie meine Kursrunde gleich zweifach, und die Stolperstellen bei Kopfgröße und Ohrenform sind entsprechend eingearbeitet. Die Figur ist kein Wochenendprojekt für Anfänger, aber mit klaren Rundenzahlen und Fotos an jeder Entscheidung schaffst du sie auch als zweites oder drittes Amigurumi.
Materialien & Fadenring

Auf dem Fototisch liegen die vier Knäuel in genau der Reihenfolge, in der du sie brauchst: Hellblau für Kopf, Körper, Beine und Arme, Dunkelblau für Nase, Ohrspitzen und Fußsohlen, ein helles Weiß-Hellblau für den Bauch und ein Hauch Rosa für die Innenohren. Dazu Füllwatte, zwei Sicherheitsaugen mit 10 mm Durchmesser, Stopfnadel, Maschenmarkierer und Schere – die komplette Grundausstattung für dieses Projekt liegt schon vor der ersten Masche fest.
Ich starte, wie bei fast jedem Amigurumi-Kopf, mit dem Magischen Ring: Faden zweimal um zwei Finger legen, 6 feste Maschen einhäkeln, Ring zuziehen. Auf dem Foto siehst du genau den Moment, in dem die sechste Masche sitzt und der Maschenmarkierer die erste Runde kennzeichnet – ab jetzt arbeitest du in Spiralrunden, nicht in geschlossenen Runden mit Wende-Kettmasche.
Der Maschenmarkierer ist bei Amigurumi kein nettes Extra, sondern Pflicht – ohne ihn verlierst du bei kleinen Teilen sehr schnell die Rundenzählung.
Kopf aufbauen

Von der kleinen Sechser-Runde aus geht es jetzt zügig in die Breite. In Runde 2 verdoppelst du jede Masche (12), in Runde 3 nimmst du in jeder zweiten Masche zu (18), und so weiter – immer gleichmäßig verteilt, sonst bekommt der Kopf eine Ecke statt einer runden Wölbung. Auf dem Foto siehst du gut, wie sich die halbfertige Kugel schon nach wenigen Runden nach außen wölbt, während die Nadel weiter im gleichmäßigen Rhythmus einsticht.
- Zunahmen zählen: nach jeder Runde kurz die Maschenzahl kontrollieren, das spart später Auftrennen.
- Maschenmarkierer versetzen: immer in die erste Masche der neuen Runde, sonst verrutscht die Zählung.
- Fadenspannung locker halten: zu feste Maschen lassen später die Füllwatte durchscheinen.
Häkle weiter mit dem hellblauen Garn, bis der Kopf die Größe erreicht, die du auf dem zweiten Bild siehst – von dort geht es ohne weitere Zunahmen glatt weiter, bis die Kugelform rund und gleichmäßig ist.
Kopf schließen & Gesicht einsetzen

Die Persönlichkeit entsteht im Gesicht
Bevor du den Kopf zunähst, kommt die wichtigste Entscheidung des ganzen Projekts: die Position der Sicherheitsaugen. Auf dem Foto hältst du die beiden 10-mm-Augen probeweise an – erst wenn Abstand und Höhe stimmen, drückst du die Unterlegscheibe durch den Stoff. Für Kinder unter drei Jahren gehören hier grundsätzlich aufgestickte Augen statt Sicherheitsaugen hin, das ist keine Geschmacksfrage, sondern eine Sicherheitsregel.
Danach stopfst du den Kopf locker, nicht prall – zu feste Füllung drückt die Rundung unschön nach außen und macht das spätere Zunähen schwerer. Die dunkelblaue Nase nähst du mit ein paar geraden Stichen mittig auf, dann schließt du die Öffnung mit unsichtbaren Maschen von außen nach innen, wie im dritten Bild zu sehen.
Körper mit Bauchteil häkeln

Der Körper beginnt nicht in Hellblau, sondern im hellen Weiß-Hellblau für den Bauch – das ist der Trick, der Stitch später seine typische Silhouette gibt. Du häkelst einen kleinen Kreis aus diesem Garn, genau wie beim Kopf, und wechselst dann seitlich zu Hellblau, während du in Spiralrunden nach oben arbeitest. Auf dem Foto erkennst du gut die Nahtstelle, an der der Bauch in den restlichen Körper übergeht – dort möglichst gleichmäßig zwischen den Farben wechseln, sonst entsteht ein sichtbarer Sprung.
Wichtig für später: Stopfe den Körper nur leicht und lass am Ende einen langen Fadenrest hängen – den brauchst du gleich zum Vernähen mit dem Kopf, ohne neu ansetzen zu müssen.
Kopf und Körper verbinden

Jetzt zeigt sich, ob die Rundenzahlen gepasst haben: Kopf und Körper sollten am oberen Rand ungefähr gleich viele Maschen haben, damit die Naht später nicht wellig wird. Ich setze den Kopf mittig auf die Körperöffnung, stecke ihn mit ein, zwei Maschenmarkierern fest und arbeite dann rundherum mit der Stopfnadel in halben Rückstichen – auf dem Bild siehst du die Nadel genau an dem Punkt, an dem sie durch beide Schichten gleichzeitig fährt.
- Position prüfen: Kopf leicht nach vorne kippen, das wirkt bei Stitch lebendiger als eine starre gerade Haltung.
- Erste Stiche setzen: vier Punkte wie bei einem Kompass fixieren, dann erst rundherum füllen.
- Faden verstecken: am Ende durch die Füllwatte ins Körperinnere führen und dort abschneiden.
Beine häkeln und anbringen

Die Beine entstehen als zwei identische, kurze Röhrchen in Hellblau, deren Fußspitzen du in Dunkelblau absetzt – ein einfacher Farbwechsel nach wenigen Runden, aber genau der Farbwechsel, der Stitch erst erkennbar macht. Auf dem Foto liegen beide Beinchen noch offen nebeneinander, bevor sie mit etwas Füllwatte gefüllt und dann seitlich am unteren Körper angenäht werden.
Achte darauf, dass beide Beine auf gleicher Höhe und mit gleichem Abstand zur Körpermitte sitzen – kleinste Abweichungen sieht man bei einer sitzenden Figur wie dieser sofort, weil die Füße das Standbild tragen. Nur leicht stopfen, damit die Beinchen beim Sitzen nicht sperrig abstehen.
Arme häkeln und annähen

Die Arme sind bewusst kurz gehalten und bekommen an der Handfläche denselben dunkelblauen Farbwechsel wie die Füße. Auf dem Foto siehst du, wie wenig Füllwatte tatsächlich hineinkommt – nur leicht stopfen, sonst wirken die Ärmchen später steif statt weich am Körper anliegend.
Beim Annähen zählst du am besten von der Kopfmitte aus symmetrisch nach beiden Seiten, damit kein Arm höher sitzt als der andere. Ich stecke dafür immer erst beide Arme provisorisch mit Maschenmarkierern fest, vergleiche von vorne, und nähe erst dann endgültig an – das rettet dir mehr schiefe Figuren, als man denkt.
Ohren arbeiten und befestigen

Die Ohren sind das aufwendigste Bauteil dieser Anleitung, weil sie aus zwei Schichten bestehen: einer großen hellblauen Außenschale und einem kleineren rosa Innenohr, das du von Hand mit ein paar Steppstichen mittig auf die Außenschale näht. Auf dem letzten Foto siehst du beide Teile einzeln, dann zusammengenäht, und schließlich am fertigen Kopf – die Ohren stehen bei Stitch bewusst groß und leicht abstehend, das macht seinen typischen Ausdruck aus.
- Form vor dem Annähen prüfen: beide Ohren nebeneinanderlegen, sie sollten spiegelgleich wirken.
- Ansatzpunkt markieren: mit dem Maschenmarkierer beide Seiten vorher fixieren, dann erst nähen.
- Nicht zu straff nähen: die Ohren sollen sich später leicht bewegen lassen, nicht bretthart am Kopf kleben.
Damit ist deine Stitch-Figur fertig – aus vier Garnfarben, acht Arbeitsschritten und einer guten Portion Geduld bei den Zunahmen.
Am Ende sitzt Stitch mit seinen großen Ohren und dem schiefen Grinsen genauso vertrauensvoll da, wie meine Kursrunde ihn nach dem zweiten Testdurchlauf beschrieben hat – und dieses Grinsen entschädigt für jede Runde, die du eventuell auftrennen musstest.

- Material
- Werkzeug

Häufig gestellte Fragen
Welche Häkelnadelstärke passt zu diesem Garn?
Ich habe mit einer 2,5-mm-Nadel gearbeitet, weil das bei dünnerem Amigurumi-Garn ein dichtes, wattefestes Maschenbild ergibt. Zeigen deine Maschen zwischen den Zunahmerunden Löcher, probier eine halbe Nummer kleiner.
Kann ich das Garn durch günstigeres Discounter-Garn ersetzen?
Ja, für eine Kuscheltierfigur wie diese ist reines Polyacryl aus dem Discounter völlig ausreichend – achte nur auf ähnliche Lauflänge pro 50 g, sonst verschiebt sich die Größe.
Wie groß wird die fertige Figur?
Mit den angegebenen Mengen kommst du auf eine sitzende Höhe von etwa 14 bis 16 cm, je nachdem wie fest du häkelst.






