Diese Figur wollte in meinem VHS-Kurs im November einfach niemand in Ruhe lassen – kaum stand der erste Weihnachtsdeko-Faden auf dem Tisch, kam die Frage nach dem Grinch. Also haben wir ihn gebaut, in genau der Reihenfolge, die du hier siehst: vom Wollknäuel bis zur fertigen Figur mit rot-weiß gestreiftem Schal. Herr Wolle fand das Fotoshooting mit dem grünen Garn übrigens hochinteressant und musste zweimal aus dem Bild getragen werden.
Der Material-Tisch: alles, was der Grinch braucht

Bevor die erste Luftmasche fällt, lege ich immer alles auf den Tisch – so wie hier: das kräftige Grün als Hauptfarbe, kleine Reste in Weiß, Rot und Schwarz, eine Häkelnadel 2,5 mm, Füllwatte, zwei Sicherheitsaugen und die Vernähnadel. Für Amigurumi wie diesen greife ich zu einem mittelstarken Baumwoll-Wolle-Mischgarn mit rund 125 m/50g, weil es straff genug häkelt, dass die Füllung später nicht durchschimmert.
- Hauptgarn Grün: etwa 40-50 g reichen für Kopf und Körper.
- Kontrastfarben: Weiß, Rot und Schwarz jeweils unter 10 g – perfekt für die Restekiste.
- Nadelstärke: 2,5 mm ist mein Startpunkt, nicht mein Gesetz.
- Füllwatte und Sicherheitsaugen: für Stand- und Blickfestigkeit.
Und ja: die Banderole schlägt oft 3 mm vor. Bei Amigurumi häkele ich bewusst eine Nadelstärke kleiner, damit die Maschen dicht schließen. Deine Maschenprobe entscheidet am Ende, nicht der Aufdruck.
Der Kopf entsteht: feste Maschen im Kreis

Auf dem Foto siehst du genau den Moment, den die meisten Kursteilnehmer am Anfang unterschätzen: der Kopf ist noch offen, eine kleine grüne Schale, die sich langsam nach außen rundet. Gearbeitet wird ausschließlich in festen Maschen im Kreis, beginnend im Magischen Ring mit 6 Maschen.
Von dort aus erhöhst du in den folgenden Runden gleichmäßig, bis der Kopf seinen größten Umfang erreicht – bei dieser Figur reicht das bis etwa 24 Maschen. Danach häkelst du ein paar Runden ohne Zunahme, damit die Rundung stabil bleibt, bevor am oberen Rand des Körpers wieder abgenommen wird. So entsteht die typische Tropfenform, die den Grinch später so grummelig-schlaksig aussehen lässt.
Worauf ich beim Häkeln achte
Halte die Maschen eng, führe den Faden nach jeder Runde kurz nach, und zähl wirklich mit – bei Amigurumi verzeiht eine verzählte Runde nichts, weil die Form sofort schief wird.
Stopfen: fest, aber nicht hart

Jetzt wird aus der offenen Schale eine Kugel. Auf dem Bild drückst du die Füllwatte in kleinen Büscheln durch die noch offene Rundung – nicht als einen großen Klumpen, sonst gibt es Beulen, die man später nicht mehr wegdrückt.
- Erst die Ecken füllen: mit dem Hakenende die Watte bis in den obersten Punkt schieben.
- Dann die Mitte auffüllen, bis der Kopf sich fest, aber noch nachgiebig anfühlt.
- Zwischendurch immer wieder in der Hand rollen – so spürst du sofort, wo noch Luft ist.
Für Kinderspielzeug nutze ich ausschließlich Polyester-Füllwatte, weil sie waschbar ist und ihre Form auch nach mehreren Wäschen behält. Zu fest gestopft, wird die Kugel eiförmig und die Maschen spannen sichtbar – dann lieber ein bisschen Watte wieder herausziehen, das lässt sich problemlos korrigieren.
Der Blick, der alles verändert: Sicherheitsaugen setzen

Erst mit den Augen wird aus der grünen Kugel ein Gesicht – und genau diesen Moment zeigt das Foto: die Augen sitzen bereits, symmetrisch und mit ausreichend Abstand, aber noch ohne Mund und Augenbrauen.
- Abstand: etwa 3-4 Maschen zwischen den Augen, je nach Kopfgröße.
- Höhe: ungefähr auf der breitesten Stelle des Kopfes ansetzen, nicht zu weit oben.
- Fixierung: Sicherheitsscheibe von innen fest gegendrücken, bevor gestopft wird.
Ich stecke die Augen immer erst probeweise, ohne die Scheibe festzudrücken, und schaue mir die Figur aus zwei, drei Schritten Entfernung an. Erst wenn der Ausdruck stimmt, kommt die Scheibe drauf – danach gibt es kein Zurück.
Wichtig für alle, die diese Figur für ein Kind unter drei Jahren häkeln: Sicherheitsaugen gehören dann nicht ins Spielzeug. Stick die Augen stattdessen mit schwarzem Garn auf – sicherer und, mit etwas Übung, genauso ausdrucksstark.
Körper und dünne Arme: die Grinch-Silhouette

Während der fertige Kopf schon mit Augenbrauen, Mund und der ersten grünen Haartolle daneben liegt, entsteht hier der Körper – länglich, leicht kegelig, mit einer kleinen Taillierung, die den typisch schlaksigen Grinch-Körper ausmacht. Die beiden dünnen, geschwungenen Arme daneben sind reine feste-Maschen-Röhrchen, ganz ohne Zunahmen, nur mit einer leichten Rundung durch das Hin- und Herdrehen beim Häkeln.
Der Körper wird bis zur Hüfte in einem Rutsch gearbeitet und dann für die Beine geteilt, ähnlich wie bei vielen sitzenden Amigurumi-Figuren. Die Arme bleiben zu diesem Zeitpunkt bewusst noch ungestopft und offen – sie werden erst beim Zusammennähen mit einer kleinen Menge Watte gefüllt, damit sie schön beweglich bleiben und sich später um den Bauch legen lassen.
Kleiner Kursraum-Tipp
Häkle beide Arme direkt nacheinander mit derselben Maschenzahl – so vermeidest du, dass ein Arm am Ende sichtbar länger oder dicker ausfällt als der andere.
Zusammennähen: Kopf trifft Körper

Jetzt wird es handwerklich: Kopf und Körper werden mit der Vernähnadel und einem langen Garnende zusammengenäht, Masche für Masche, rundherum. Auf dem Foto siehst du genau diesen Moment – die Nadel sticht knapp unterhalb der Kinnpartie ein, während die andere Hand den Kopf in Position hält.
Näh in kleinen, gleichmäßigen Stichen entlang der letzten Kopfrunde und der ersten Körperrunde, ziehe den Faden nach jedem Stich straff, aber nicht so fest, dass sich der Stoff wellt. Die zerzauste grüne Haartolle oben auf dem Kopf – ein paar kurze Fadenenden, aufgetrennt und aufgekämmt – gibt der Figur genau den ungekämmten, leicht mürrischen Charme, den ein Grinch braucht.
Eine unsichtbare Naht erkennst du daran, dass du beim Drehen der Figur im Licht keine harte Kante siehst, nur einen weichen Übergang. Das ist die eine Handbewegung, die den Unterschied zwischen „hausgemacht“ und „professionell“ ausmacht.
Der Schal macht den Grinch: fertig!

Und da sitzt er: fertig gestopft, mit grimmigem Blick, schiefem Lächeln – und dem rot-weiß gestreiften Schal, der ihn erst wirklich zum Grinch macht. Der Schal ist ein simpler Streifen aus festen Maschen in Reihen, Farbwechsel nach jeweils zwei bis drei Reihen, am Ende locker um den Hals geschlungen und mit ein paar Stichen fixiert.
- Fertige Größe: die Figur sitzt bei etwa 18 cm Höhe.
- Schalbreite: ca. 3 cm, Länge großzügig zum Umschlingen.
- Farbwechsel: Faden am Reihenende einfach mitführen und einhäkeln, spart Vernähen.
Der leichte Farbunterschied zwischen den Streifen im Foto – mal etwas heller, mal dunkler Rot – kommt übrigens von zwei unterschiedlichen Restknäueln aus meiner Kiste. Genau das macht diese Figur so, wie ein guter Weihnachtsgrinch sein sollte: ein bisschen schief, ein bisschen improvisiert, und trotzdem genau richtig.

- Garn
- Werkzeug
- Füllung & Sicherheit

Fazit
So ein Grinch braucht keine perfekte Reihe, nur ehrliches Grün, ein bisschen Geduld beim Stopfen und einen Schal, der ihn erst richtig grummelig macht. Ich hoffe, deiner sitzt am Ende genauso schief-charmant auf dem Tisch wie meiner.
Gut zu wissen: eure Fragen
Welche Nadelstärke passt wirklich zum Amigurumi-Garn?
Die Banderole schlägt bei diesem Garn oft 3 mm vor, ich empfehle für Amigurumi trotzdem 2,5 mm. Kleinere Nadeln erzeugen dichtere Maschen, sodass die Füllwatte nicht durchscheint – teste kurz an einem Probestück, bevor du den ganzen Kopf häkelst.
Ist der Grinch Amigurumi für kleine Kinder geeignet?
Mit Sicherheitsaugen nur für Kinder ab drei Jahren, da die Scheiben theoretisch abreißen könnten. Für jüngere Kinder sticke die Augen mit schwarzem Garn auf – sicherer, und mit etwas Übung genauso ausdrucksstark.
Kann ich ein anderes Garn statt des Amigurumi-Mischgarns verwenden?
Ja, achte dabei auf eine ähnliche Lauflänge von etwa 120-130 m/50g und eine feste, wenig fluffige Faser – reine Baumwolle oder ein Baumwoll-Acryl-Mix eignen sich am besten, weil sie die Maschenstruktur klar zeigen und Formstabilität geben.






